Schweinswal gesichtet von der Flutmole in Wilhelmshaven // J. Herrmann / Cetacea.de

Schweinswale weiterhin vom Aussterben bedroht

Schweinswal vor der Flutmole Wilhelmshaven. Bild: J. Herrmann / Cetacea.de

Zur Antwort der Bundesregierung auf die parlamentarische Frage zu Todfunden von Schweinswalen erklärt Steffi Lemke, parlamentarische Geschäftsführerin und naturschutzpolitische Sprecherin:

„Schweinswale in der deutschen Ostsee sind weiterhin vom Aussterben bedroht. Die alarmierende Zunahme an Todfunden von Schweinswalen macht deutlich: Wir brauchen endlich wirksame Schutzgebiete. Aktuell gibt es für die Schutzgebiete noch keine Regeln für Fischfang und die industrielle Nutzung. Die Schutzgebiete stehen bisher nur auf dem Papier. Und laut den Plänen der Bundesregierung soll die, für Schweinswale so tödliche Stellnetzfischerei weiterhin selbst in Schutzgebieten flächendeckend erlaubt sein. Damit verkommt der Meeresschutz zum Etikettenschwindel. Wir fordern von der Bundesregierung endlich Nullnutzungszonen in Schutzgebieten und damit  echte Rückzugsräume für Meeressäuger in der deutschen Nord- und Ostsee.“

Ergebnisse:

Im Jahr 2018 wurden an der deutschen Ostseeküste insgesamt 203 Schweinswale Tod aufgefunden. Das ist der zweithöchste gemessene Wert für die Ostsee seit dem Jahr 2000.

An den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns wurden 2018 insgesamt 76 Robben (Seehunde und Kegelrobben) und 69 Schweinswale gefunden. Es war die bisher höchste Zahl an erfassten Todfunden von Schweinswalen in Mecklenburg-Vorpommern.

In den letzten 10 Jahren wurden knapp 3400 Schweinswale an deutschen Küsten tot aufgefunden (Anfrage aus August 2018).

Die Bundesregierung bestätigt die genetische Eigenständigkeit der Schweinswal-Population in der zentralen Ostsee und damit ihre Schutzbedürftigkeit. Gegner des Naturschutzes und auch das Landwirtschaftsministerium haben in der Vergangenheit versucht diese anzuzweifeln.

 

Hintergrund:

  • Schweinswale kommen in der deutschen Ostsee in zwei getrennten Populationen vor. Die von Kattegat, Beltsee und westlicher Ostsee („Beltseepopulation“) besteht aus ca. 18.500 Individuen und gilt als stark gefährdet, während die Population der zentralen Ostsee mit nur ca. 400-500 Tieren vom Aussterben bedroht ist.
  • Die Bundesregierung hat im September 2017 nach 13 langen Jahren endlich die Schutzgebietsverordnungen für die Nordsee und Ostsee verabschiedet. Das heißt die zehn schon im Jahr 2007 ausgewiesenen Natura 2000-Gebiete in der deutschen Nord- und Ostsee wurden rechtlich als Naturschutzgebiete zusammengefasst und unter Schutz gestellt.
  • Allerdings sind bisher weiterhin keine Schutzmaßnahmen etabliert. Es wird weiterhin massiv gefischt und gebaggert. Eine Studie des GEOMAR Forschungsinstitut aus dem Dezember 2018 zeigt die Intensität von Schleppnetzfischerei ist sogar um 40% höher als außerhalb (Tagesschau.de berichtete).
  • Die Pläne der Bundesregierung für das Schutzgebietsmanagement in der Ostsee wurden Anfang Februar endlich vorgestellt. Das fatale: Sie sehen keinerlei Einschränkungen für die ökologisch schädliche Stellnetzfischerei vor. Dabei sind Beifänge aus Stellnetzfischerei die Haupttodesursache für Schweinswale und Kegelrobben in der Ostsee.
  • Die Folge: die vom Aussterben bedrohte Population des Ostseeschweinswals in der zentralen Ostsee droht weiter dezimiert zu werden. Die Schweinswale haben in der Ostsee keinerlei Rückzugs- und Ruheräume zum Schutz vor anthropogenen Störungen.
  • Insgesamt haben Schweinswale derzeit weder in der deutschen Nord- noch in der Ostsee den günstigen Erhaltungszustand gemäß EU FFH-Richtlinie.
  • Die Gründe hierfür sind vielfältige Beeinträchtigungen durch die Fischerei (vor allem Beifänge), hohe Schadstoffbelastung sowie Unterwasserlärm.

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