Weiterhin kein Meeresschutzgebiet im Weddellmeer

Bild: Dimitris Vetsikas / Pixabay

Rückschlag für den internationalen Meeresschutz. Erneut konnten sich die Staaten der „Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis“ (CCAMLR) nicht auf ein stärkeres Schutzregime in der Antarktis einigen. In den vergangenen zwei Wochen hatten sich im australischen Hobart die Vertragsstaaten von CCAMLR getroffen um unter anderem über die Ausweisung von Schutzgebieten in der Ostantarktis, der antarktischen Halbinsel und dem Weddellmeer zu verhandeln. Dabei waren es insbesondere die Delegationen aus China, Russland und Norwegen, welche weitere Bekenntnisse zum Schutz der Meere und die Ausweisung der konkreten Meeresschutzgebiete blockierten. Der von Deutschland erarbeitete Antrag für ein Schutzgebiet in Weddellmeer der Antarktis erhielt dabei einen besonders herben Rückschlag. Dieser wurde vom politischen Gremium der CCAMLR zurück in den wissenschaftlichen Ausschuss überwiesen.  Demnach gebe es weiter Klärungsbedarf an den wissenschaftlichen Daten des Antrags. Dabei handelt es sich jedoch nach Einschätzung von Naturschutzorganisationen um ein vorgehaltenes Argument, um den Prozess weiter zu verlangsamen. Die deutsche Bundesregierung trägt eine Mitverantwortung am mangelnden Fortschritt zum Weddellmeer-Schutzgebiet. Denn neben der wissenschaftlichen Ausarbeitung von Anträgen bei CCAMLR braucht es für eine erfolgreiche Ausweisung – das haben die letzten Jahre und insbesondere der Einsatz von Präsident Barack Obama für das Ross Meer gezeigt – dringend die politische Unterstützung auch außerhalb von CCAMLR. Weder die Bundeskanzlerin, noch der Außenminister haben das Weddellmeer jemals zu einer Priorität erklärt.

Hintergrund:

Die Weltgemeinschaft hat sich im Rahmen von internationalen Abkommen dem Schutz der Meere und seiner Biodiversität verpflichtet. Die Vertragsstaaten des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD), haben sich darauf geeinigt bis zum Jahr 2020 10 Prozent der globalen Meeresfläche unter Schutz zu stellen. Mit der Verabschiedung der Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen im Jahr 2015 und durch die Aufnahme des Nachhaltigen Entwicklungsziel 14 „Life below Water“ (SDG14) wurde das internationale Bekenntnis zum Schutz der Meere nochmals bekräftigt und das gemeinsame Ziel, bis zum Jahr 2020 10 Prozent der globalen Meeresfläche unter Schutz zu stellen, erneuert. Meeresschutzgebiete sind eines der wichtigsten Instrumente, um die marinen Ökosysteme zu erhalten und ihre Resilienz und Anpassungsfähigkeit gegenüber Übernutzung, Klimakrise und Raubbau zu verbessern und weitere Habitatzerstörung zu verhindern.

Der Vorschlag der Europäischen Union für die Ausweisung eines Meeresschutzgebietes im Weddellmeer der Antarktis wurde maßgeblich von Deutschland vorbereitet und wurde bei der Jahrestagung der „Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis“ (CCAMLR) abgelehnt.

Der Deutsche Bundestag hat am 29.06.2018 einen interfraktionellen Antrag von BÜNDNIS 90/DIE Grünen, CDU/CSU, SPD und FDP einstimmig verabschiedet, der die Verhandlungsposition der Bundesregierung im Vorfeld der CCAMLR Tagung stärken sollte. Dieser forderte die Nutzung sämtlicher diplomatischer Kanäle, ein ausreichendes Schutzgebietsmanagement und stärkt internationale Umweltprinzipien wie das Vorsorgeprinzip.

 

Text: David Hoffmann

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