Beifang geht weiter illegal über Bord

Bild: Americanet / Pixapay

Bei der industriellen Schleppnetzfischerei in Nord- und Ostsee entstehen jedes Jahr viele hundert Tonnen unerwünschter Beifang. Diese für die Fischindustrie wertlosen Fische werden oftmals wieder über Bord zurück ins Meer geworfen, obwohl sie dabei meist verenden. Die Rückwürfe betreffen auch bedrohte, geschützte und Fangquoten unterliegende Arten. In der Antwort auf die Kleine Anfrage
„Kameragestützte Fernüberwachung auf Fangschiffen zur Kontrolle der Anlandeverpflichtung in der Fischereiwirtschaft“ heißt es unter anderem, dass im Jahr 2018 rund 2000 Tonnen Fisch (allein von den quotierten Arten) als Beifang aus der Nordsee gefischt wurden. In der Ostsee wurden 112 Tonnen Dorsch aus Beifang (ein Achtel der gesamten Fangmenge) wieder zurück ins Meer geworfen.

Seit 2015 und schrittweise seit 2016 sind diese Rückwürfe in Nord- und Ostsee verboten. Zudem gilt ein sogenanntes Anlandeverbot. Der gesamte Beifang muss an Land eingebracht werden. Die Anzahl ist Grundlage für die Berechnung der zugelassenen Fangquoten in den EU-Gewässern. Mit diesen Regelungen sollen Fischbestände und Umwelt geschont und die Verschwendung von wertvollen Naturressourcen beendet werden.

Aus den Antworten der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage wird deutlich, dass weder das Rückwurfverbot noch die Anlandeverpflichtung umgesetzt wird. Hunderte Tonnen Fisch werden illegal zurückgeworfen. Seit Einführung der Anlandeverpflichtung ist kein einziger Verstoß geahndet worden. Die Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten der Bundesregierung sind bei der Einhaltung der Anlandeverpflichtung mangelhaft.  Dabei ist ein effektives, rechtssicheres und kostengünstiges Mittel zur Durchsetzung der Anlandeverpflichtung der Bundesregierung bekannt: Eine Fernüberwachung mit Videokameras. Diese Technik will die Bundesregierung jedoch weiterhin nicht einsetzen. Auch nachhaltigere, selektive Fangeinrichtungen werden von der Bundesregierung nicht vorgeschrieben oder begünstigt. Die Fangquoten selbst überschreiten für einzelne Arten seit Jahren die wissenschaftlich berechneten, nachhaltigen Fangmengen.

Dazu Steffi Lemke, parlamentarische Geschäftsführerin und naturschutzpolitische Sprecherin: „Es ist absurd, dass die Bundesregierung sechs Jahre nach Inkrafttreten der Gemeinsamen Europäischen Fischereipolitik immer noch keine Kontrollsysteme für das Anlandegebot etabliert hat. So wird die Überfischung in Deutschland nicht gestoppt werden. Noch immer gebe es keine Rückzugsorte für gefährdete Populationen, da Meeresschutzgebiete zu Hauptfischereizielen verkommen. Es braucht endlich ein Umdenken innerhalb der Bundesregierung, wenn wir nennenswerte Fischpopulationen auch zukünftig in Nord- und Ostsee vorfinden wollen. Vor allem kleine handwerkliche Fischereibetriebe brauchen endlich mehr Unterstützung in der Umstellung auf selektive Fangmethoden.“

Die taz berichtete am 23.12.2019: „Illegal und unökologisch: Gefangene Fische gehen über Bord“

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