Den Widerspruch aushalten

Bild: Stefan Kaminski

Gastbeitrag von Steffi Lemke, parlamentarische Geschäftsführerin und naturschutzpolitische Sprecherin in der Mitteldeutsche Zeitung: 

„Unsere Gesellschaft ist bisher sehr verantwortungsvoll mit einer für uns alle völlig neuen und unbekannten Krise umgegangen. Deshalb blieben wir von einer Eskalation der Epedemie verschont. Bisher. Ob das so bleibt, haben wir in den nächsten Wochen und Monaten ein gutes Stück gemeinsam in der Hand.

Einerseits muss der Shutdown unseres Lebens schrittweise beendet werden. Für mich ist das Wichtigste, für Kinder und Familien Schule und Betreuung wieder zu gewährleisten, unsere Risikogruppen zu schützen und die Pflege- und Krankenversorgungsstrukturen zu sichern. Wer staatliche Unterstützung braucht muss sie weiterhin kriegen, seien es Betriebe, Jugendherberge oder Selbständige. Ob ausgerechnet das Öffnen der Gaststätten bereits am Himmelfahrtsdonnerstag sinnvoll ist, wage ich allerdings zu bezweifeln. Wir müssen uns aber auch darauf vorbereiten, dass eine zweite Welle der Epidemie auf uns zukommen kann, bevor ein Impfstoff da ist. Während uns gleichzeitig Mediziner und Virologen die vielen offenen Fragen zum Virus noch nicht beantworten können – zum Beispiel welche Schäden es bei denen hinterlässt, die die Krankheit überstanden haben und inwieweit Kinder und Jugendliche wirklich glimpflich davonkommen.

Vielleicht aber haben wir Glück und bleiben von einer 2. Welle verschont. Wahrscheinlich ist das nicht. Wenn wir unsere Gesellschaft auch bei einem Wiederaufflammen der Epidemie zusammenhalten wollen, brauchen wir eine breite Debatte darüber, was zu tun ist und gegenseitiges Vertrauen. Wir müssen gemeinsam Ungewissheiten und Widerspruch aushalten. Was uns dabei nicht helfen wird, sind Lügen und Desinformation, Verharmlosen des Virus‘, Ignorieren der Hygieneregeln und diejenigen, die aus der verständlichen Verunsicherung vieler Menschen finanziellen oder politischen Profit schlagen wollen.“

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