Beschränkung des Wildtierhandels ist nicht nur Artenschutz, sondern auch Gesundheitsschutz

Bild: Matryx / Pixabay

Zum Fachgespräch „Zoonosen – Ursache, Verbreitung, Vorbeugung“ im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages am 13. Mai 2020 erklärt Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutz:

„Es besteht dringender Handlungsbedarf bei der Regulierung des Wildtierhandels und dem Schutz weltweiter Ökosysteme. Das ist die zentrale Aussage der heutigen Anhörung der Sachverständigen im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages zum Ursprung von Zoonosen. Um das Risiko des Übertragens eines nächsten Virus, durch Pathogene die von Wildtieren auf den Menschen überspringen wie im Falle von COVID-19 zu reduzieren, ist Prävention der einzig mögliche Weg.
Klar ist, dass Beschränkungen des Wildtierhandels nicht nur aus Artenschutzgründen sondern aus Gesundheitsschutz sinnvoll ist und umgesetzt werden muss. Der Import von Wildtieren ist ein gefährliches Einfalltor für potentielle Zoonosen. Wir fordern deshalb ein sofortiges Importverbot von Wildtierfängen, die Einführung sogenannter Positivlisten für den Artenhandel die ausschließlich unbedenkliche Arten für den Handel legalisieren und die Untersagung gewerblicher Tierbörsen für Wildtiere die einen potenziell sehr anfälligen Übertragungsort von gefährlichen Pathogenen darstellen.

Von besonderer Relevanz für die Vorsorge gegen mögliche Pandemien ist für die Sachverständigen auch der Schutz der Natur und die Wiederherstellung und Bewahrung der letzten gesunden Ökosysteme unseres Planeten. In der Anhörung wurde klar, dass Lebensräume für Wildtiere dringend erhalten werden müssen um die Interaktion mit bisher unbekannten Pathogenen aus der Wildnis zu reduzieren. Die Bundesregierung muss ihre Bemühungen für den Internationalen Wald- und Biodiversitätsschutz dringend intensivieren. Die Verhandlungen zu einem neuen internationalen Biodiversitätsabkommen bieten die Chance, 30 Prozent der Erdoberfläche dauerhaft zu schützen und damit auch zukünftige Epidem ien zu vermeiden.

Hintergrund:

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Zoonosen meist in Verbindung stehen mit dem Verzehr von Wildtierfleisch, Wildtierhandel, der Massentierhaltung oder der anhaltenden Umweltzerstörung und Veränderungen der Landnutzung. 60% der bekannten menschlichen Infektionskrankheiten sind zoonotischen Ursprungs. 75 Prozent neu auftretender Infektionskrankheiten des Menschen haben einen tierischen Ursprung. Der genaue Ursprung der aktuellen Corona-Pandemie ist weiterhin unbekannt und verdeutlicht die Notwendigkeit der Vorsorge in den Bereichen Wildtierhandel, industrielle Tierhaltung und Naturschutz.

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