Gefahr für Mensch und Umwelt: Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee endlich bergen!

Bild: Iva Balk / Pixabay

Auch Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs befinden sich noch immer circa 1.6 Millionen Tonnen an Munitionsaltlasten auf dem Grund von Nord- und Ostsee, darunter auch knapp 5000 Tonnen chemische Munition. Von diesen Munitionsresten geht eine erhebliche Gefahr für Mensch und Umwelt aus: Immer wieder finden Fischer verrostete Kampfmittel in ihren Netzen, Bauprojekte (Kabelverlegungen, Windenergieparks) werden durch Munitionsfunde regelmäßig ausgebremst.

 

Die gesamte deutsche Ostsee ist mit Sprengstoff kontaminiert, in besonders belasteten Gebieten erhöht das Tumorraten bei z.B. Plattfischen und auch in Muscheln wurde gelöster TNT-Sprengstoff nachgewiesen. Sprengstoffe gelangten somit in die Nahrungskette und schädigen die fragilen marinen Ökosysteme von deutscher Nord- und Ostsee.

Es gibt daher dringenden politischen Handlungsbedarf: Die Gefahr ist vor allem in den sogenannten Versenkungsgebieten groß. In 15 bisher identifizierten besonders belasteten Gebieten (z.B. die Kolberger Heide in der Kieler Außenförde) könnten bis zu 90% der Munitionsreste in deutschen Meeren liegen.

Die bisherigen Bemühungen gehen aber viel zu langsam: Jahrelang hat die Bundesregierung die Länder mit diesem riesigen Umweltproblem alleingelassen. Durch die Initiative des grünen Umweltministers von Schleswig-Holstein, Jan-Philip Albrecht, hat zuletzt auch die Umweltministerkonferenz (UMK) eindringlich eine Priorisierung der Munitionsbergung eingefordert. Die Bundesregierung ignoriert diese Gefahr aber weiterhin und ignoriert Landesregierungen, Wirtschaft und Wissenschaft, die mit Lösungsansätzen bereitstehen.

In unserem interfraktionellen Antrag Munitionsaltlasten in den Meeren bergen und umweltverträglich vernichten von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP fordern wir, dass die großflächige Räumung und umweltverträgliche Vernichtung von Munitionsaltlasten höchste Priorität bekommt. Wir fordern die Bundesregierung darin auf, endlich politische Verantwortung zu übernehmen, eine umfassende Strategie mit Landesregierungen, Wirtschaft, Wissenschaft und Umweltverbänden zu entwickeln und die Räumung vor allem auch finanziell zu unterstützen. Dazu braucht es auch gemeinsam getragene, neue Institutionen und eine Erhöhung der Vernichtungskapazitäten. Noch in 2021 braucht es zudem Pilotprojekte zur großflächigen Bergung in den Versenkungsgebieten.

Die Zeit für politisches Handeln drängt: Durch zunehmende Korrosion und den Einfluss der Gezeiten verschlechtert sich der Zustand der Munitionsreste immer weiter dramatisch, das macht die Bergung immer teurer und gefährlicher. Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass dieses Problem in den nächsten 10 bis 20 Jahren vollständig gelöst werden muss, um größeren Schaden noch abzuwenden. Je schneller die Bundesregierung also aktiv wird, desto geringer die finanziellen und ökologischen Kosten dieser Altlasten aus den Weltkriegen.

Über den gemeinsamen Antrag von GRÜNEN und FDP berichteten u.a. auch Der Spiegel (Ausgabe 53/2020) und die TAZ.

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